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Werner Nöckel


Der 1927 geborene Diplom-Historiker Werner Nöckel setzte sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges, an dem er seit 1944 als Freiwilliger teilgenommen hatte, intensiv mit der faschistischen Diktatur auseinander. Er arbeitete als Bahntechniker und wurde als Student für Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität auch Mitglied der SED-Leitung in der Grundorganisation des Historischen Seminars.
Wie seine Kommilitonen verband auch er mit der beginnenden Entstalinisierung nach dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 die Hoffnung auf eine Demokratisierung des Sozialismus. So unterstütze er die Initiative seiner drei Kommilitonen Werner Fritsch, Wolfgang Hoffmann und Harald Lange, die, auch in Hinsicht auf die ungarische Reformbewegung im Herbst 1956, in einem 10-Punkte-Programm für mehr Demokratie und für eine politische Öffnung in FDJ und SED eintraten. Zu der Gruppe der kritischen Geisteswissenschaftler gehörte auch der Assistent am Philosophischen Institut Günter Zehm, der als Bloch-Schüler für Meinungsfreiheit eintrat.
Nach der Niederschlagung des Aufstands in Ungarn setzte auch in der DDR eine Welle der Repressionen ein. Zehm wurde 1957 aus der SED ausgeschlossen, von der Universität entlassen und trotz des persönlichen Einsatzes von Ernst Bloch verhaftet und zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, von denen er drei absaß.
Nöckel, der von Bekannten im Westen mit Publikationsbeiträgen versorgt wurde, die in der DDR nicht erscheinen durften, informierte seine Freunde und Kommilitonen über die Hintergründe des Prozesses gegen Wolfgang Harich oder über die Entmachtung der als reformfreudig geltenden Gruppe um Ernst Wollweber, Karl Schirdewan und Fred Oelßner.
Ab Januar 1958 wurde Nöckel vom MfS überwacht, am 21. Mai verhaftet und wegen "schwerer staatsfeindlicher Hetze und Propaganda" zu 3½ Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Gegensatz zu anderen politischen Verfahren, wie das gegen Zehm, wurde über Nöckel in der Presse nichts verlautet. Werner Nöckel wurde 1960 entlassen und arbeitete danach in Thüringen bei der Reichsbahn wieder als Bahntechniker.

Quelle: Stadt Jena (Stand 14.04.2011)