Waldheim in Sachsen
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Fischer von Waldheim, Johann Gotthelf

Quelle: Stadt Waldheim.

Naturforscher, Wissenschaftler & Ehrenbürger

* 13.10.1771 in Waldheim
† 18.10.1853 in Moskau

Quelle: Heimatmuseum

Fischer von Waldheim war ein Wissenschaftler von europäischem Ruf, der sich besonders große Verdienste um die naturhistorische Erforschung Russlands erworben hat.
Geboren als Sohn eines armen Webers, besuchte Fischer die Knabenschule in Waldheim und war Mitglied der Kurrende. Als diese einmal auf dem Markt sang, wurde der Freiberger Kantor Kessel auf die Altstimme des kleinen Gotthelf aufmerksam und ermöglichte dem Jungen den Besuch der Freiberger Stadtschule, des späteren Gymnasiums. Nach der Schulzeit betrieb Fischer an der 1765 gegründeten Bergakademie geologische und mineralogische Studien, die den Anstoß zu seiner späteren wissenschaftlichen Tätigkeit gaben. Ab 1792 besuchte er die Universität Leipzig und promovierte hier zum Dr. med.. Seinem besonderen Interesse für Anatomie ging er in Paris nach, wo er Schüler von Cuvier war. Als Professor der Naturgeschichte und Bibliothekar wirkte er dann an der Zentralschule in Mainz.
Auf Grund seiner zoologischen und vergleichend anatomischen Arbeiten, die ihm an allen Universitäten Europas Anerkennung einbrachten, wurde Fischer 1804 an die Universität in Moskau berufen. Hier ordnete und erweiterte er das Naturhistorische Museum, war Direktor des Botanischen Gartens und gründete 1805 die Naturforscher-Gesellschaft. Eine erfolgreiche Lehrtätigkeit übte er an der Universität und an der Medizinisch- Chirugischen Akademie aus.
Sein größter Verdienst ist die Erforschung des Geologischen Russlands.
Dr. Fischer verfasste insgesamt 231 Publikationen auf den Gebieten der Geologie/ Oryktographie (Gesteinsarten und Lagerungsverhältnisse), Paläontologie (Wissenschaft von den Lebewesen vergangener Zeitaltar), Zoologie und speziell der Entomologie (Insektenkunde).
Als beim großen Brand von Moskau 1812 auch das Naturhistorische Museum den Flammen zum Opfer fiel, begann er rasch wieder mit der Neugründung. Auf einer Deutschlandreise zum Ersatz fehlender Naturalien besuchte er 1830 Waldheim, dem er immer treu geblieben war. Er übernachte im väterlichen Haus, ging zum Grab seiner Eltern und traf sih mit Verwandten und Freunden.
J. G. Fischer wurde wegen seiner Verdienste um die naturwissenschaftliche Erforschung Russlands geadelt, zum Staatsrat ernannt, und 1835 gestattete man ihm den Namen „Fischer von Waldheim“ zu führen. Seine Geburtsstadt verlieh ihm daraufhin die Ehrenbürgerschaft, da er seine Verbundenheit mit der Heimatstadt so deutlich bezeugt hatte.
Zu einem Höhepunkt mit vielen Ehrungen gestaltete sich das 50jährige Doktorjubiläum Fischer von Waldheims, das 1847 festlich in der Aula der Moskauer Universität begangen wurde. In seinen letzten Lebensjahren am Star erblindet, starb er 1853 in Moskau und wurde dort am 22.10. auf dem lutherischen Friedhof beigesetzt.
Nach ihm sind z.B. ein Mineral „Fischerit“, eine Pflanze „Waldheimia tridatylites“ und auch zahlreiche Käferarten benannt.
Er war verheiratet, hatte einen Sohn und drei Töchter.