Waldheim in Sachsen
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Pfeifer, Arthur

Quelle: www.freundeskreis-arthur-pfeifer.de

Schulpraktiker, Weisheitsfreund und Lebenslehrer

* 29.01.1884 in Dresden
† 29.10.1976 in Waldheim

Der Sohn eines Glas- und Porzellanmalers nahm den für Arbeiter- und Handwerkersöhne naheliegenden Weg des Aufstiegs: Schulerfolg, Lehrerseminar, Lehrer. So besuchte Pfeifer nach einer Bäckerlehre von 1901-04 das älteste sächsische Lehrerseminar in Dresden-Friedrichstadt, das 1787 gegründet worden war. Wegen Lehrermangels wurde er noch vor Abschluss der Lehrerausbildung in den öffentlichen Schuldienst eingestellt. Erste pädagogische Praxiserfahrungen sammelte er zunächst in Dresden-Blasewitz, anschließend in Riesa und Umgebung, bevor Pfeifer 1907 ein Studium der Philologie und Pädagogik an der Leipziger Universität begann, das er aber nach Heirat und Vaterfreuden bereits 1908 wieder abbrechen musste. Sodann folgte sein Schuldienst in Waldheim. 1913 weilte er in einem Schweizer Lungensanatorium. Seine Lungentuberkulose verhinderte schließlich die Einberufung in den Ersten Weltkrieg. 1914 veröffentlichte Pfeifer seinen Erziehungsratgeber „Technik der geistigen .


In der ersten deutschen Republik zählte er zu den Mitbegründern der Volkshochschulbewegung in Sachsen und Thüringen. Von 1920 bis 1933 übernahm er die Leitung der Waldheimer Volkshochschule. 1923/24 wurde Pfeifer in die Lehrplankommission des Sächsischen Lehrervereins berufen; dadurch wurde er u.a. Mitautor am Landeslehrplan für die Volksschulen Sachsens, der 1928 von Paul Weinhold in Dresden herausgegeben wurde. In der Zwischenkriegszeit erwarb sich Pfeifer sowohl im Internationalen Versöhnungsbund als auch im Weltbund für Erneuerung der Erziehung als Friedens- und Reformpädagoge internationale Wertschätzung. Während er im Versöhnungsbund an der Seite des Leipziger Theologen Alfred Dedo Müller (1890-1972) oder des Leipziger Friedens- und Reformpädagogen Waldus Nestler (1887-1954) zu den führenden Köpfen in der deutschen Geschäftsstelle des Bundes avancierte und in seiner Waldheimer Wohnung zudem die „Zentrale der Arbeitsgemeinschaft der berufsmäßigen Lehrer“ betrieb, verband sich seine Hauptaktivität in dem 1921 als New Education Fellowship gegründeten Weltbund für Erneuerung der Erziehung vor allem mit seiner souveränen Dolmetschertätigkeit auf den damals alle zwei Jahre stattfindenden Weltbundkonferenzen. Schließlich legen auch seine engen Kontakte zu den Brüdern Friedrich Wilhelm (1869-1965) und Karl Foerster (1884-1970), sowie später zu Hermann Hesse (1877-1962) oder dem Waldheimer Bildhauer Georg Kolbe (1877-1947) bereits Zeugnis von seinen vielschichtigen Interessen ab.

Pfeifer gelebter Pazifismus führte bereits im März 1933 zu seiner Dienstentlassung aus dem Schuldienst durch die Nazis, die im darauffolgenden Jahr in eine Zwangsversetzung nach Zschopau umgewandelt wurde. Verschiedene Maßregelungen wie Verwarnungen oder Gehaltskürzungen ließen nicht lange auf sich warten. So hatte seine vorgesetzte Schulbehörde 1941 vor dem Dresdner Verwaltungsgericht einen Prozess gegen Pfeifer mit dem Ziel angestrengt, ihn ganz aus dem Schuldienst zu verdrängen. Daraufhin musste sich sogar das Berliner Reichsverwaltungsgericht mit dem unbequemen Pädagogen befassen. Dennoch konnte der schließlich nach Oederan versetzte Pfeifer im Nationalsozialismus Schüler(innen) gewissermaßen an herrschenden ideologischen Doktrin vorbeischleusen und ihren Sinn für allgemeine humanistische Ethik öffnen.

Nach Kriegsende kehrte er nach Waldheim zurück, wo er ab 1946 die Leitung der Volksschule übernahm. Hier leistete er für die ihm anvertrauten ca. 1700 Schüler(innen) – hinzu kam noch die Betreuung von 14 Landschulen und 70 Neulehrern – ein heute kaum vorstellbares Arbeitspensum als dennoch einfühlsamer Reform- und Sozialpädagoge. Des Weiteren engagierte er sich in der Erwachsenenbildung als Referent der Volkshochschule, in der Neulehrerausbildung, der Lehrerfortbildung sowie als Kursleiter für jugendliche Gefangene im Zuchthaus Waldheim. Seit 1950 war Pfeifer aktives Mitglied in der Goethe-Gesellschaft. 1949 erfolgte seine Berufung an die Oberschule Döbeln, wo er bis 1954 lehrte.

„Seine Stellung im Lehrerkollegium war einzigartig. Volksschullehrer alten Schlages mit 45jähriger Praxis, zuletzt Leiter einer der größten Grundschulen Sachsens und Mentor von Neulehrern, übertraf er alle seine Döbelner Kollegen an Welt- und Menschenkenntnis“, erinnert sich sein Schüler, der Berliner Slawist Fritz Mierau (2005, S. 474). Damals galt Pfeifer in sächsischen Schulreformerkreisen als „der gescheiteste Schulmeister“, wie es u.a. der Zschopauer Reformpädagoge und Heimatforscher → Kurt Schumann (1885-1970) wiederholt betonte. Neben seiner enorm umfangreichen Belesenheit in unterschiedlichsten Fachgebieten faszinierte Pfeifer seine Schüler(innen) und deren Eltern gleichermaßen durch sein ebenso vielfältiges handwerkliches Geschick. Bis ins hohe Alter war der hochgebildete Pfeifer noch vielfältig als Pädagoge, Philosoph und Kunstkenner tätig. Bis zuletzt schrieb Pfeifer in zahllosen Briefen an vertraute Wegbegleiter und Schüler(innen) mit Humor, Selbstironie und sächsischer Gemütsstärke gegen Dummheit, Borniertheit und Banausentum an.

Prof. Dr. Andreas Pehnke
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Freundeskreis „Arthur Pfeifer“ e.V., Waldheim