Waldheim in Sachsen
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Schweikershain

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Die Geschichte des Dorfes Schweikershain

Datum Ereignis
1300 Beginn der Kolonisation der Umgebung von Schweikershain durch thüringische und fränkische Siedler. Rodung von Wäldern, Reste davon sind die 1387 urkundlich erwähnte ‚Kohlung’, die ‚Fröhne’ und die ‚Neiden’.

Aufteilung des Landes durch ‚Lokatore’ an Siedler in der Größe einer Hufe (24 ha), an die sich ein Waldstück anschloß.

Das Land wird in der Regel entlang eines Baches besiedelt (Waldhufendorf).
1346 Erwähnung einer Kirche in Schweikershain in einem Matrikel des Bistums Meißen.
In der Kirche befindet sich noch ein Gotisches Sakramenthäuschen aus der alten Kirche.
1428 Erste urkundlich nachweisbare Benennung von Schweikershain im
CODEX DIPLOMATICUS SAXONIA REGIA (Zweiter Hauptteil, III. Band,
S.115, Nr.924, Leipzig 1867). (Urkundenbuch des Hochstifts zu Meißen.) :

„Item feria quarta post Palmarum praepositus Czillensis praesentavit collectas petivas de plebanis et ecclesis infra scriptis, primo plebanus in Rochsperg II flor. ren., item capellanus ipsius II gr.; plebanus in Melin XVI gr. Plebanus in Swykirschayn VII gr., plebanus in Hartmannsdorff“
( zu deutsch: „Gleichfalls am 4. Wochentag nach Palmarum (31. März 1428) hat der Kämmerer von Zschillen die von Seelsorgern und Religions-gemeinschaften eingetragen, so der Priester von ..., so der Priester von Schweikershain 7 Groschen, so der Priester von Hartmannsdorf ...“)

‚Schweikershain’ ist in unterschiedlicher Schreibweise nachweisbar:
1428 ‚Swykirschayn’,
1746 ‚Schwickershayn’,
danach auch ‚Schwinkerthain’.
Der Name geht wahrscheinlich auf den Gründer des Dorfes zurück: ‚Swiker’ bedeutet im Althochdeutschen ‚stark, geschwind mit dem Speer’ und ‚Hain’ für Wald, also ‚Schwikerts Wald’.
1449 Kunz von Kaufungen erhält das Gut Schweikershain von
Kurfürst Friedrich dem Sanftmütigen als Lehen für seine Kriegsdienste.
1451 Kunz von KAUFUNGEN verliert seine Besitzung Schweikershain durch Unstimmigkeiten mit dem Kurfürsten. Daraufhin raubt Kunz die kurfürstlichen
Prinzen in Altenburg (‚Prinzenraub’); in der Folge wird er in Freiberg 1455
hingerichtet.
1544 Georg von CARLOWITZ erwirbt die Herrschaft Kriebstein mit dem Vorwerk Schweikershain.
1561 gehört Schweikershain zur Herrschaft Kriebstein; Wolf von Carlowitz erhält Schweikershain als selbstständiges Rittergut.
Um 1600 Die Bauerngüter reichen bis an das Rittergut heran. Das größte Gut besitzt
Michael Thomas. Im Oberdorf gibt es Gutshöfe.
1668 Bau von Häusern auf dem Butterberg (Buttenberg-Hagebutten).
Rittergut und Butterberg bilden einen eigenen Verwaltungsbezirk
1677 Der Bauer Hans Polster kauft von Hans Möhler ein halbes Hufengut
(heute: Familien Siegfried Polster Oberdorf 5).
1718 Das Rittergut kommt in den Besitz der Familie von Wallwitz.
Diese Familie ist bis 1945 Eigentümer des Rittergutes, Familienmitglieder stehen im diplomatischen und militärischen Dienst des Königs von Sachsen; die Familie fördert und finanziert den Bau von Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden in Schweikershain und Umgebung.
1719 Bau einer neuen Kirche.
1737 Bau von Häusern auf dem Storlwald.
1778 Bau von fünf Häusern auf der Bauernwiese und kleiner Gutshäuser am
Thomasplan.
1811 Bau des ersten Schulhauses (heute: Thomasplan 1).
1852 Beginn des Eisenbahnbaus mit Haltestelle in Schweikershain, Aufschüttung des ‚Aufsatzbodens’.
1871 Sachsen wird Teil des in diesem Jahr gegründeten Deutschen Reiches.
1893 Einweihung der noch heute betriebenen Schule (heute: Zur Mühle 4).
1911 Schweikershain wird elektrifiziert.
1914-1918 1. Weltkrieg. 17 Schweikershainer fallen an den Fronten des Krieges.
1919-1933 Weimarer Republik. Viele Schweikershainer sind arbeitslos und werden zu Notstandsarbeiten beim Bau der Talsperre Kriebstein und zum Schlämmen der Teiche und Bäche des Dorfes eingesetzt.
1933-1945 Faschismus. Verbot der meisten Vereine, Organisationen und der bis dahin bestehenden Parteien. 1932 bis 1933 Arbeitsdienstlager in der Schäferei. Lebensmittel und Kleidung werden rationiert und nur noch auf Lebensmittel- und Kleiderkarten verkauft.
1939-1945 2. Weltkrieg.
Männer werden ab 18 Jahren zur Wehrmacht eingezogen. Jungen werden ab 15 Jahren in Wehrertüchtigungslagern militärisch ausgebildet, und ab 16 Jahren werden sie Luftwaffenhelfer. Mädchen gehen im Alter von 14 Jahren zum ‚Landjahr’ als Arbeitskräfte auf Bauernhöfe. Kriegsnotwendige Gegenstände (u.a. Fahrräder, Pelzmäntel, Schneeschuhe) müssen abgeliefert werden.

Kinder aus kriegsgefährdeten Gebieten kommen in Dörfer.
Jungen aus Düsseldorf werden mit ihrem Lehrer auf dem Saal im Gasthof Holzhausen einquartiert.
Die Sonntage verleben sie in Schweikershainer Familien.

43 Schweikershainer fallen an den Fronten des Krieges, 19 sind vermißt, einer kommt im Konzentrationslager um.
1944 Am 20. Juli werden durch einen Bomben-Notabwurf in der Nähe der Mühle der Müller und zwei polnische Zwangsarbeiter getötet.
1945 Am 8. Mai endet der 2. Weltkrieg und damit die Zeit des Faschismus.
Nach dem Rückzug der Amerikaner wird Schweikershain von sowjetischen Truppen besetzt.

Sowjetische Besatzungszone

Am 22. April vereinigen sich SPD und KPD zur SED.

Durch die Bodenreformverordnung vom 10.9.1945 wird das Rittergut
enteignet. Die Größe des Gutes besteht zu diesem Zeitpunkt aus 293 Hektar, davon 100 Hektar Wald.
Grund und Boden sowie Viehbestände werden an Umsiedler und Kleinbauern vergeben.

Flüchtlinge aus Schlesien, Ostpreußen und dem Sudetenland sowie‚Ausgebombte’ werden in Schweikershain untergebracht;
die Einwohnerzahl steigt dadurch 1946 /47 um 170 Personen auf 1 067.
1947 Im Juni wird auch in Schweikershain ein ‚Flurschutz’ gegen Erntediebstähle
eingeführt. Alle Männer ab 18 Jahren sind verpflichtet, von 22 bis 6 Uhr in Zweiergruppen Felder und das Dorf zu bewachen.

Ab 31. März wird das Rittergut in ein Erholungsheim für 60 ‚noch nicht zu schwer an Tuberkulose Erkrankte’ umgebaut
1949 Am 7. Oktober wird die DDR gegründet.

Gründung der Sportgemeinschaft Schweikershain.
1950 In der Kohlung bauen junge Fußballer einen Sportplatz, der bis 1964 besteht.

Die Schule in Schweikershain wird ‚Zentralschule’.
1952 Am 1. September kommt Schweikershain durch eine Verwaltungsreform vom Kreis Döbeln zum Kreis Rochlitz.

Neben vorhandenen Privatgeschäften wird in Schweikershain ein ‚KONSUM’ eingerichtet.
1953 Seit Beginn der 1950er Jahre werden zunehmend Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) gegründet.
1953 Gründung der in Schweikershain ersten LPG Typ I ‚Frischer Wind’.

Die Polstermöbelfirma Hinkelmann wird halbstaatlich.
1959 Erweiterungsbauten an der Schule.
1960 Umwandlung des Tbc-Heimes in ein Alterspflegeheim.

Schweikershain ist ‚vollgenossenschaftliches’ Dorf.
1961 Am 13. August wird in Berlin die ‚Mauer’ gebaut.

Aus dem Gasthof wird ein ‚Kulturhaus’ mit dem ersten Pächter Fritz Schellenberg
1964 Die Schule in Schweikershain wird 10-klassige Allgemeinbildende Polytechnische Oberschule; ein neuer Sportplatz wird angelegt, die Kegelbahn wird erweitert.
1965 Bau des neuen Sportplatzes
1967 Dorfstraßen und Straßenbeleuchtung werden erneuert.
1974 Eigenheime werden gebaut; davon 12 Zur Mühle und Kastanienallee.
1989 Politische Wende in der DDR.
1990 Am 3. Oktober wird Deutschland vereinigt.
1994 Im Rahmen der sächsischen Gemeindegebietsreform werden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Erlau, Crossen, Milkau, Beerwalde und Schweikershain zu Ortsteilen der Gemeinde Erlau.
Ab 1990 Das äußere Erscheinungsbild unsres Dorfes entwickelt sich dank staatlicher
Fördermittel zusehends zum Positiven. Nach und nach werden alle Straßen sowie die Straßenbeleuchtung grundlegend saniert; Wasser- und Abwasserleitungen heben den Lebensstandard; Ein- und Mehrfamilienhäuser bieten moderne Wohnungen und locken damit auch auswärtige Familien nach Schweikershain. Leider muss wegen des Neubaus des Hauses Zur Mühle 5 eines der ältesten Bauerngüter unseres Ortes (früher Nr. 14a) abgerissen werden. Kommunale Gebäude werden saniert: Kindergarten, Schule, Sporthalle mit Kegelbahn und Feuerwehrgerätehaus, Alte Mühle und Altenpflegeheim tragen sichtlich zur Verschönerung des Dorfbildes bei.
Das kann man vom Gasthof leider nicht sagen.
Dorfklub und Vereine sorgen dafür, dass sich das sportliche und kulturelle Leben wieder entwickelt.
Trotz der Verbesserung der Lebensbedingungen vieler Schweikershainer in den vergangenen 15 Jahren ist die Arbeitslosigkeit -und damit verbunden der Rückgang der Einwohnerzahl- ein großes Problem der Gemeinde.